Filmkritik: The Forgiveness of Blood
Alle Jahre fiebert man den Filmfestspielen der Berlinale entgegen, die auch in diesem Jahr in Berlin vom 10.Februar-20.Februar 2011 stattfand. Auch waren in diesem Jahr zahlreiche Filme aus unterschiedlichen Ländern mit von der Partie, so wie der albanische Film „The Forgiveness of Blood“. Zwar gewann der iranische Film Jodaeiye Nader az Simin (auf Deutsch: Nadar und Simin, eine Trennung) von Asghar Farhadi, doch war der albanische wettbewerbstaugliche Film in vielerlei Hinsicht ein ebenbürtiger Mitstreiter.
The Forgiveness of Blood handelt von einer albanischen Familie, die in einem Dorf lebt. Nik (Tristan Halilaj) und Rudina (Sindi Lacej) sind Jugendliche, die früh gelernt haben, innerhalb der Familie ihrer Verantwortung nachzugehen. Während Rudina gerne zur Schule geht und viel Zeit und Kraft in ihre Bildung steckt, besucht Nik eher die Schule um Freunde und das Mädchen, in das er verliebt ist, zu treffen. Auf dem Land lebend sorgt der Vater für den Lebensunterhalt, indem er Brot verkauft. Doch als dieser in einen Streit mit dem Nachbarn gerät, tötet er ihn im Affekt und begibt sich auf die Flucht. Die Familie wird in eine aussichtslose Lage katapultiert, denn der jahrhundertealte Brauch der Blutrache durch die Familienmitgliedern des Opfers verbietet es Nik und seinem jüngeren Bruder das Haus zu verlassen.
Somit kommt es dazu, dass Rudina und ihre Mutter für die Existenz der Familie sorgen müssen, ist Nik mit der ganzen Situation überlastet und gerät in finstere Stimmung. Während Rudina in ihrer neuen Beschäftigung an Selbstbewusstsein findet, kommt Nik mit seiner verzwickten Situation kaum zurecht. Zwar halten ihn die Besuche seines Freundes bei Laune, doch hält er es nicht länger aus wie ein Gefangener in seinem eigenen Haus behandelt zu werden und beschließt die Sache selbst in die Hand zu nehmen. Mit einer schwerwiegenden Folge, für die ganze Familie…
Meiner Meinung nach ein großer Film im ländlichen Albanien, welches seinem Genre des Dramas in aller Hinsicht alle Ehre macht. Jugendliche, dessen größter Traum es ist ein Internetcafé zu besitzen und für die ein Moped ihr größter Schatz zu sein scheint. Auch kommen die Emotionen und die Gefühlslagen der Geschwister nicht zu kurz, die die größten Opfer bringen müssen. Das Geschehen wird aus der Perspektive der beiden jungen Helden präsentiert, welche ihre Stärken und Schwächen nur noch deutlicher unterstreicht. Diese vermeiden passive Haltungen und greifen des Öfteren auf Eigeninitiativen zurück. Mir persönlich hat der Film sehr gefallen, weil ich mich nicht zuletzt mit den Charakteren identifizieren konnte. Rudina, die stark und selbstbewusst versucht für ihre schulische Laufbahn zu kämpfen, indem sie ihre missliche Lage so schnell wie möglich klären möchte. Nik, der in naiven Schwärmereien schwelgt, doch letzten endlich verantwortungsbewusster handelt, als man ihm zutrauen möchte.
Ein Film, der zum Nachdenken und mitfühlen anregt.
Selcan Özbek ist noch Abiturientin, 19 Jahre alt, liest und zeichnet gerne