Infrarot

01.04.2011

Filmkritik: The Forgiveness of Blood

von Sebastian in Ausgabe 01 | 2011, Sinnvolles

Alle Jahre fiebert man den Filmfestspielen der Berlinale entgegen, die auch in diesem Jahr in Berlin vom 10.Februar-20.Februar 2011 stattfand. Auch waren in diesem Jahr zahlreiche Filme aus unterschiedlichen Ländern mit von der Partie, so wie der albanische Film „The Forgiveness of Blood“. Zwar gewann der iranische Film Jodaeiye Nader az Simin (auf Deutsch: Nadar und Simin, eine Trennung) von Asghar Farhadi, doch war der albanische wettbewerbstaugliche Film in vielerlei Hinsicht ein ebenbürtiger Mitstreiter.
The Forgiveness of Blood handelt von einer albanischen Familie, die in einem Dorf lebt. Nik (Tristan Halilaj) und Rudina (Sindi Lacej) sind Jugendliche, die früh gelernt haben, innerhalb der Familie ihrer Verantwortung nachzugehen. Während Rudina gerne zur Schule geht und viel Zeit und Kraft in ihre Bildung steckt, besucht Nik eher die Schule um Freunde und das Mädchen, in das er verliebt ist, zu treffen. Auf dem Land lebend sorgt der Vater für den Lebensunterhalt, indem er Brot verkauft. Doch als dieser in einen Streit mit dem Nachbarn gerät, tötet er ihn im Affekt und begibt sich auf die Flucht. Die Familie wird in eine aussichtslose Lage katapultiert, denn der jahrhundertealte Brauch der Blutrache durch die Familienmitgliedern des Opfers verbietet es Nik und seinem jüngeren Bruder das Haus zu verlassen.
Somit kommt es dazu, dass Rudina und ihre Mutter für die Existenz der Familie sorgen müssen, ist Nik mit der ganzen Situation überlastet und gerät in finstere Stimmung. Während Rudina in ihrer neuen Beschäftigung an Selbstbewusstsein findet, kommt Nik mit seiner verzwickten Situation kaum zurecht. Zwar halten ihn die Besuche seines Freundes bei Laune, doch hält er es nicht länger aus wie ein Gefangener in seinem eigenen Haus behandelt zu werden und beschließt die Sache selbst in die Hand zu nehmen. Mit einer schwerwiegenden Folge, für die ganze Familie…
Meiner Meinung nach ein großer Film im ländlichen Albanien, welches seinem Genre des Dramas in aller Hinsicht alle Ehre macht. Jugendliche, dessen größter Traum es ist ein Internetcafé zu besitzen und für die ein Moped ihr größter Schatz zu sein scheint.  Auch kommen die Emotionen und die Gefühlslagen der Geschwister nicht zu kurz, die die größten Opfer bringen müssen. Das Geschehen wird aus der Perspektive der beiden jungen Helden präsentiert, welche ihre Stärken und Schwächen nur noch deutlicher unterstreicht. Diese vermeiden passive Haltungen und greifen des Öfteren auf Eigeninitiativen zurück. Mir persönlich hat der Film sehr gefallen, weil ich mich nicht zuletzt mit den Charakteren identifizieren konnte. Rudina, die stark und selbstbewusst versucht für ihre schulische Laufbahn zu kämpfen, indem sie ihre missliche Lage so schnell wie möglich klären möchte. Nik, der in naiven Schwärmereien schwelgt, doch letzten endlich verantwortungsbewusster handelt, als man ihm zutrauen möchte.
Ein Film, der zum Nachdenken und mitfühlen anregt.

Selcan Özbek ist noch Abiturientin, 19 Jahre alt, liest und zeichnet gerne


01.04.2011

Umsonst und Draußen - Berliner Parks

Kaum kommen die ersten Sonnenstrahlen raus, strömen wir BerlinerInnen in die Parks. Doch welcher Park ist eigentlich am Schönsten? Elisa aus der Infrarotredaktion hat sich mal umgehört.

Philipp 26: Ich sitze im Mauerpark im Prenzlauer Berg. Im Sommer hat der Mauerpark sicher sehr wenig mit Grünfläche zu tun, so überlaufen ist dieser, dennoch für mich der schönste Park in Berlin. Hier kannste wat erleben, hier kommen alle Berlinerinnen und Berliner zusammen. Am Sonntag Karaoke im Amphitheater oder Flohmarkt, Party und Grillen bis spät in die Nacht. Sicherlich hat in den vergangenen Jahren der Prenzlauer Berg seinen wilden und jugendlichen Charme verloren, aber im Mauerpark gibt es diese Momente noch. Hier darf jeder er/sie selbst sein, darf laut sein, darf Musik machen, darf Sport machen, darf Freak sein, darf grillen, darf tun oder lassen wonach ihm oder ihr gerade ist. Das macht den Mauerpark aus. Wichtig ist nun, dass die lange geplante Erweiterung im Wedding vorgenommen wird, das potentielle Konflikte mit AnwohnerInnen vermieden werden und dass das Gebiet nördlich des Gleimtunnels nicht den Kapitalinteressen geopfert wird. Damit der Mauerpark ein Park für alle BerlinerInnen bleibt.

Marie  22: Ich kenne den Volkspark Wilmersdorf schon immer. Gefühlt habe ich dort meine ganze Kindheit verbracht und auch heute bin ich noch oft hier. Während ich früher am liebsten an Sommermorgenden nackt unter den Rasensprengern herumgerannt bin, liege ich heute – vorzugsweise angezogen- am Liebsten auf dem Rasen. Aber die Wiese ist noch immer die Gleiche geblieben: Die große Liegewiese am Schoelerpark gleich neben dem Kiosk. Früher habe ich dort Kolakracher und Gummischnuller für 5 Pfennig gekauft, heute lieber Milchkaffee und Zigaretten. Ich mag den Volkspark, weil er genauso ist, wie er immer war. Noch immer verbringen Kindergartengruppen ihre Vormittage auf dem Spielplatz (übrigens früher wie heute mit einer 1a Wasserpumpe und Matschgarantie!), JoggerInnen rennen im Kreis und Dunkelbraun gebrannte RenterInnen liegen ab den ersten Sonnenstrahlen auf der Wiese und grillen sich. Gegrillt werden hier aber nur die eigenen Körper, denn lecker Würstchengrillen darf man im bürgerlichen Volkspark nicht.

Lars 29: Ich wohne in der Puderstraße. Dies ist eine Seitenstraße der Straße am Treptower Park. Das klingt nicht nur schön und grün, das ist es auch! Besonders schön ist es, wenn es Frühling ist. Dass kann man auf die Straße treten und durch eine komplett grüne Straße direkt auf den Treptower Park schauen. Da fühlt man sich wohl. Aber nicht nur als Wohngegend ist der Treptower Park unschlagbar. So viel Wasserkante hat wohl kein anderer Park in Berlin. Es gibt nichts Schöneres als im Sommer direkt an der Spree zu liegen oder mit Freundinnen und Freunden zu grillen. Ein besonderes Highlight ist aber natürlich auch die Insel. Viel Kleinkunst ist dort so manchen Abend anzutreffen. Nachdenklich stimmen kann dieser Park mich aber auch. Wenn ich am Ehrenmahl der gefallenen Soldaten, mitten im Park gelegen, vorbeikomme, werde ich förmlich von der Geschichte erdrückt.

Luise 16: Da ich in Kreuzberg wohne, gehe ich, wenn ich schon mal in einen Park gehe, am liebsten in den Görlitzer Park. Schon der Weg zum Görlitzer Park ist eigentlich Entspannung pur: am Landwehrkanal entlang und nur ein kurzes Stück an der Straße. Ich finde, die Leute im Görlitzer Park sind sehr gemischt. Es sind natürlich viele Studenten und junge Leute da, aber es ist noch nicht so überlaufen, wie vielleicht im Mauerpark im Prenzlauer Berg. Im Sommer kann man im Park gut ein Buch lesen oder einfach entspannen. Irgendwelche Ballspiele sind nicht so meins, ich habe im Park am liebsten meine Ruhe. Da meine Freunde auch alle in der Nähe wohnen, ist es im Sommer einfach ein guter Treffpunkt. Die U-Bahn-Station ist in der Nähe, man ist nah am Zentrum und trotzdem in der Natur.


01.04.2011

Kochen mit Daniel - Quiche mit Lauch und Champignons

von Sebastian in Ausgabe 01 | 2011, Sinnvolles

Ein Klassiker der französischen Küche, der leicht vorzubereiten ist und sich deshalb z.B. für Partys gut eignet, ist die Quiche, ein Gemüseküchen. Anstelle von Lauch und Champignons wie hier können natürlich auch andere saisonale Gemüse genommen werden. Wichtig ist dann aber, dass das Verhältnis zwischen Gemüse und Ei stimmt, damit die Quiche am Ende auch wirklich fest ist, wenn das Ei stockt.
Zutaten:
Teig:
250 g Mehl
125 g Margarine
Salz
Wasser

400g Champignons
1 Zwiebel
1 Knoblauchzehe
1 Bund Frühlingszwiebeln
2-3 Stangen Lauch
1 Becher Schmand
4 Eier
200g Reibekäse

Als Teig wird ein einfacher Mürbeteig geknetet und sehr dünn am Boden und an den Seiten einer gut eingefetteten Springform ausgerollt. Die Champignons werden geviertelt zusammen mit Zwiebel und Knoblauch angedünstet, wenn sie etwas Farbe bekommen haben, kommen Lauch und Frühlingszwiebeln hinzu. Die Füllung wird weiter gedünstet und mit Pfeffer und Salz gewürzt. Der Lauch sollte am Ende noch bissfest sein. Eier und Schmand verquirlen und auch leicht mit Pfeffer und Salz würzen.
Das Gemüse etwas abkühlen lassen, danach in die Springform füllen und mit der Ei-Schmand-Masse vermengen. Gleichmäßig mit Käse bestreuen und im vorgeheizten Backofen bei 200° 25-30 Minuten backen.
Wer kein Vegetarier ist, kann auch noch ein kleines Stück Speck würfeln, kurz anbraten und zur Gemüsemasse hinzugeben. Die Masse dann vorsichtiger würzen, der Speck ist selbst schon sehr salzig.
Daniel Cammann (27) isst, trinkt und kocht gerne.


01.12.2010

Buch: Volker Kutscher: Goldstein. Gereon Raths dritter Fall

von Sebastian in Ausgabe 02 | 2010, Sinnvolles

von Adrian Bohn

Berlin 1931. Die Stadt ist geprägt von einer immer aufgeheizteren politischen Stimmung und sich überschlagenden Ereignissen. Der junge Kriminalkommissar Gereon Rath, der es nach seinem Zuzug aus dem Rheinland schnell zu Ansehen in der Berliner Mordkommission gebracht hat, ist in seinem dritten Fall mit einem Sonderauftrag seines Vorgesetzten betraut. Er soll für die Sicherheit des jüdischen Amerikaners Abraham Goldstein sorgen, der als Kopf der Chicagoer Unterwelt gilt und dessen Aufenthalt in der deutschen Hauptstadt nicht allein zivilen Zwecken zu dienen scheint. Doch spätestens nach einem spektakulären Einbruch zweier Jugendlicher ins KaDeWe, der für einen der Täter tödlich endet und dem Mord  an einem stadtbekannten Hehler im Arbeiter-Bezirk Friedrichshain nehmen die Ereignisse ihren Lauf. Gereon Rath nimmt gelangweilt durch den Beschattungsauftrag die schwierigen Ermittlungen auf und gerät erneut zwischen die Fronten  im Kampf gegen das organisierte Verbrechen in der Stadt. Seit einem frühereren Fall verbindet ihn jedoch die Zusammenarbeit mit dem Anführer eines der berüchtigten Berliner Ringvereine.

Nachdem der jungen Gerichtsassesorin Charly Ritter die Hauptverdächtige im KaDeWe Einbruch und zugleich mögliche Zeugin unfassbarer Ereignisse bei einer Vernehmung entwischt, geraten die beiden zwischen die Fronten. Wer hier auf welcher Seite spielt, stellt sich nicht nur einmal…

Volker Kutscher lässt in seiner auf sieben Bände angelegten Reihe das Berlin in der ausgehenden Weimarer Republik lebendig werden und nähert sich den politischen und gesellschaftlichen Konflikten dieser Zeit, wie dem aufstrebenden Nationalsozialismus präzise und sensibel. Er beschreibt in seinen Krimis eine der spannendsten Zeiten in der Hauptstadt und bleibt dabei immer nah an den historischen Begebenheiten. Die Lektüre bietet grandiose Einblicke in die Milieus Berlins in all ihrer Vielfalt. Nichtzuletzt die Detailtreue des Autors machen das Lesen zu einem kurzweiligen und intensiven Vergnügen.

Das Buch ist im Jahr 2010 bei Kiepenheuer & Witsch (ISBN 978-3-462-04238-2) als gebundenes Buch erschienen und kostet 19,95 €. Die preisgünstige Taschenbuchausgabe folgt 2011.
In der Reihe sind schon erschienen: „Der nasse Fisch“ sowie „Der stumme Tod“.

Adrian Bohn studiert Deutsch & Latein an der FU, ist stellvertretender Landesvorsitzender der Jusos Berlin, liest gerne und viel.


01.12.2010

PC-Spiel: Civilization V Gelungene Fortsetzung des Klassikers

von Sebastian in Ausgabe 02 | 2010, Sinnvolles

von Susanne Finsel

Wie schon in den 4 Teilen zuvor, kann man ein Staatsoberhaupt spielen und führt seine Zivilisation von der Steinzeit bis ins Weltraumzeitalter. Zur Auswahl stehen insgesamt 18 Zivilisationen mit ihren Staatsoberhäuptern, darunter Bismarck für Deutschland, Katharina für das Russische Reich, die Römer kann man mit Julius Cäsar spielen und für die englische Zivilisation startet man mit Elizabeth I.

Man fängt an mit einer Militäreinheit und einer Gruppe von Siedlerinnen und Siedlern, mit denen man seine erste Stadt gründen kann, während die Militäreinheit das umliegende Gebiet aufklärt. Dort kann man nicht nur auf andere Zivilisationen treffen, sondern auch auf Barbaren und auf sogenannte Stadtstaaten. Diese Stadtstaaten können einem wichtige Ressourcen liefern, wenn man mit ihnen befreundet ist.

Wie auch in der realen Weltgeschichte kann es natürlich militärische Auseinandersetzungen geben. In den Vorgängern war es möglich eine unbegrenzte Anzahl militärischer Einheiten auf einem Feld zu haben, jetzt darf pro Feld darf nur noch eine Militäreinheit stationiert sein. Durch dieses neue Kampfsystem hat sich der taktische Anspruch bei Kriegen deutlich erhöht und man muss nun genauer überlegen, welche Einheiten man wirklich braucht und vor allem auch wo man sie stationiert.

Insgesamt kann man sagen, dass alle Freundinnen und Freunde der Rundenstrategie auf dem PC ruhig man einen Blick auf Civilization 5 riskieren können..

Susanne Finsel (27) ist Kreissprecherin der Jusos Spandau.


01.12.2010

Kochen mit Daniel: Glühwein

von Sebastian in Ausgabe 02 | 2010, Sinnvolles

von Daniel Cammann

An dieser Stelle sollen in loser Folge Rezepte veröffentlicht werden, die technisch unkompliziert und relativ kostengünstig sind.

Glühwein gehört irgendwie zum Winter dazu. Zu Weihnachtsmärkten gehören die unvermeidlichen Glühweinschwaden. Meistens gibt es an den Ständen allerdings nur fertig angerührten Glühwein aus dem Tetra Pak. Kopfschmerzen sind danach vorprogrammiert. Das liegt vor allem an zu schlechtem, gesüßtem Wein. Besser ist es da schon, den Glühwein selbst zu machen.
Zutaten

* 1 Liter Rotwein (trocken)
* 2 Orangen
* Schale von 1 unbehandelten Zitrone
* Zucker (alternativ: Johannisbeersaft)
* 2 Stangen Zimt
* 8 Nelken
* 2 Sternanis
* Kardamon
* ggf. Amaretto oder Rum

Den Glühwein in einem Topf erhitzen. Die Orangen geschält in Scheiben dazu geben. Vorsicht, nicht kochen lassen, sonst verfliegen Alkohol und Aromen. Dazu die Gewürze geben. 10 Minuten ziehen lassen. Nach Geschmack mit Zucker oder besser mit Johannisbeersaft süßen.

Wer sich die Mühe mit den einzelnen Gewürzen nicht machen möchte im Supermarkt gibt es auch fertige Glühweinmischungen. Die sind aber bei weitem nicht so gut.
Wer mag, kann natürlich dazu dann noch einen Schuss Amaretto oder Rum geben.

Dazu passen an einem gemütlichen Winterabend natürlich gut selbstgemachte Waffeln mit Puderzucker.

Daniel Cammann (27) isst, trinkt und kocht gerne.


30.08.2010

Biss(chen) Blöd!?

von Sebastian in Ausgabe 01 | 2010, Sinnvolles

von Julian Zado

„Eclipse – Bis(s) zum Abendrot“ läuft aktuell in den Kinos an. Es ist der dritte von vier Teilen der weltweit unglaublich erfolgreichen „Twilight“-Reihe. Aber die religiösen Motive der Autorin Stephenie Meyer sind Gegenstand der Kritik.
2005 begann der Erfolg, der bis dahin völlig unbekannten US-amerikanischen Autorin Stephenie Meyer. Mit ihrem Buch Twilight (deutsch: Bis(s) zum Morgengrauen) landete sie  einen Riesenerfolg mit ca. 50 Millionen verkauften Exemplaren weltweit und das, obwohl viele KritikerInnen der Autorin eine äußerst geringe literarische Qualität bescheinigten. Stephenie Meyer erzählt eine Geschichte über die Teenagerin Bella Swan, die an ihrer neuen Schule schnell Anschluss findet und dort auf den liebenswerten aber auch seltsam mysteriösen Edward und seine Familie trifft. Es geschieht ein Unfall, bei dem sie Edward rettet und er damit ungewollt das Geheimnis seiner vampirischen Herkunft preisgibt. Das ist der Beginn der romantischen Liebesgeschichte. Auch der zweite Teil der Reihe „New Moon – Bis(s) zur Mittagsstunde“ handelt von der Liebesgeschichte um Edward und Bella. Thematisiert wird die Gefahr einer, auch sexuellen Beziehung zwischen Menschen und Vampiren. Mit der Folge, dass Edward und Bella – so sehr sie sich auch lieben – eben (noch) nicht ganz zusammen kommen können. Die beiden weiteren Teile „Eclipse – Bis(s) zum Abendrot“ und „Breaking Dawn – Bis(s) zum Ende der Nacht“ komplettieren die Vampir-Saga.
Müsste man sonst noch etwas wissen? Vielleicht. KritikerInnen bemängeln den missionarischen Charakter der Reihe. Meyer ist praktizierende Mormonin (näheres siehe Kasten). Vor diesem Hintergrund erscheinen vermeintlich harmlose Strukturen der Geschichte plötzlich ganz anders.
Edward und Bella lieben sich, aber sie dürfen vor der Ehe keine sexuelle Beziehung eingehen. Dieses Keuschheitsdogma ist Hauptmotiv der gesamten Erzählung. Jedoch muss Bella sofort nach der Eheschließung  Kinder kriegen. Überhaupt ist Bella Swan – der schöne Schwan – diejenige, die nicht nur Edward, sondern auch andere Männer verzaubert, welche sich dann selbstverständlich harte Kämpfe um sie liefern. Außerdem rettet Edward natürlich permanent die schwache und sich oft in Gefahr begebende Bella. Sie ist die schöne Schwache, die auf einen Beschützer angewiesen und völlig hingerissen ist von einer männlichen Brustmuskulatur. Edward hingegen kann sich in vielen Szenen nur knapp beherrschen, ihr nicht sofort das Blut aus den Adern zu saugen. Im letzten Moment reißt er sich mit seinem männlichen Intellekt dann aber doch noch immer zusammen, obwohl Bella ihn verführen will. Die schöne schwache durchtriebene Frau und der starke intelligente Mann? Alles nur Zufall und kein geplantes Konzept von Geschlechterrollen? Vor dem religiös-missionarischen Hintergrund der Autorin und der Tatsache, dass Keuschheit vor der Ehe und eine untergeordnete Frauenrolle zu den Ausprägungen des mormonischen Lebensstils gehören, darf dies bezweifelt werden. Die Buch- und Filmreihe hat das Ziel von einem bestimmten, religiös-tugendhaften Lebensstil zu überzeugen und ist damit unemanzipatorisch und auch antifeministisch.

Julian Zado promoviert und arbeitet an der Humboldt-Universität und ist Vorsitzender der Jusos-Mitte.


30.08.2010

Clubs in Berlin - das SchwuZ

von Sebastian in Ausgabe 01 | 2010, Sinnvolles

Das SchwuZ am Mehringdamm 61 gilt als der älteste schwule Club der Stadt. Das Publikum ist dementsprechend leicht männerlastig, aber sonst bunt gemischt und feiert ausgelassen in entspannter Atmosphäre.
Das Programm ist vielfältig:  Pop, Indie, Elektro oder Schlager, es ist für alle etwas dabei. Die meist eigenwilligen Dekorationen und experimentelle, gerne schrille Bühnenshows bereichern so manche Party.
Bis 0:00 Uhr ist der Eintritt günstiger. Also vorher Stempel holen und oben im Melitta Sundström noch etwas trinken gehen. Infos zum aktuellen Programm findest Du unter www.schwuz.de.


30.08.2010

Buch: Günter Wallraff: Aus der schönen neuen Welt – Expeditionen ins Landesinnere

von Sebastian in Ausgabe 01 | 2010, Sinnvolles

von Rafaela Kiene

Er ist mal wieder unterwegs gewesen. Günter Wallraff. Mit seinen nun mehr 67 Jahren fühlt er sich immer noch zu jung, um sich zur Ruhe setzen. Rastlos zieht er mit aufmerksamen Blick durch die Lande und geht seinem Sinn für Gerechtigkeit auf, -wie soll es auch anders sein-, ungewöhnliche Weise nach: Maskiert, mit geliehenen Ausweisen; neuer Identität. Sonst könnte er womöglich noch erkannt werden. Denn wo er auftaucht gibt’ s Unruhe. Nicht unbedingt sofort, aber spätestens dann, wenn er wieder weg ist. Sein neues Werk umfasst acht Erlebnisberichte, die bereits als einzelne Artikel im „Zeitmagazin“ der ZEIT erschienen sind. Man mag das Stück gar nicht so recht Reportage nennen. Bei einer gewöhnlichen Reportage berichten Menschen von außen. Wallraff macht alles selbst mit. Ist bei Minusgraden als Obdachloser mit Leidensgenossen auf der Suche nach einer geeigneten Schlafstätte oder muss sich als farbiger Mensch so manch` rassistischen Unsinn gefallen lassen. Er berichtet zudem über Verfahrensweisen mit Angestellten in Unternehmen auf der Grundlage von Erzählungen Betroffener. Da wäre dann zum Beispiel Mobbing bei der Deutschen Bahn, Ausbeutung von Auszubildenden in der Edelgastronomie oder Anwälte, die Arbeitgebern Kurse darüber geben, wie sie unerwünschte Angestellte psychisch brechen können.
Das Buch ist erschienen im Kiepenhauer Verlag unter der ISBN 978-3-462-04049-4. Für 13,95€ kann man sich es kaufen oder man unterstützt die ortsansässige Bibliothek mit einem Besuch. Es ist gut und kurzweilig zu lesen. Und wer Wallraff schon literarisch kennt weiß, dass er immer Recht hat und alles immer sehr zugespitzt dargestellt ist: böseR ArbeitgeberIn vs. arme Angestellte. Man möge ihm diese Einseitigkeit verzeihen und sich darüber freuen, dass es noch Menschen gibt, die den Schneid haben, den Mund auf zu machen und an bestehenden Verhältnissen etwas ändern wollen.

Rafaela ist Auszubildende zur Bibliotheksassistentin und schaut des Öfteren bei den Jusos in Marzahn-Hellersdorf vorbei.


30.08.2010

Film: Das A Team (2010)

von Sebastian in Ausgabe 01 | 2010, Sinnvolles

von Daniel Cammann

„Es gibt keinen Plan B!“- Colonel John „Hannibal“ Smith, A-Team.
Die 80er Jahre werden im Rückblick oft auf schlechte Frisuren und den ungebrochenen Glauben an die Segnungen des Kapitalismus reduziert. Cineastisch ist vor allem relevant, dass in den 80ern das mittlerweile selbstverständliche offene Recycling von Filmstoffen, die endlose Präsentation von Sequels, Prequels, Neuverfilmungen seinen Anfang genommen hat. Gerade noch Karate Kid, jetzt also die Verfilmung vom A-Team. Ursprünglich selbst schon ein Recycling eines klassischen Action-Motivs, nicht ohne Grund parallel zum ersten Rambo-Film angelaufen.
Der Plot einer A-Team-Folge ist schnell erzählt. Vier ehemalige Angehörige einer Spezialeinheit werden für ein Verbrechen verurteilt, das sie nicht begangen haben. Sie versuchen ihre Unschuld zu beweisen, werden dabei von der Regierung gejagt, erfüllen Söldneraufträge, zwischendurch geht jede Menge kaputt, am Ende siegt das Gute. Die gerade angelaufene Neuverfilmung (Deutschland-Start 12.08.2010) ist dem Zeitgeist angepasst. Im besetzten Irak sind Druckplatten für Dollar-Scheine verloren gegangen und müssen nun in einem Gewirr zwischen privaten Sicherheitsfirmen, Geheimdiensten und Doppelagenten zurückgebracht werden. Aktueller Themenbezug zwischen aus dem Ruder gelaufenem Irak-Krieg und Finanzkrise ist also sichergestellt.
Ansonsten gibt’s ne Menge Sommerkino mit ordentlich Action und Nostalgie-Bonus. Die 80er Jahre sind zwar vorbei, ihre Wiedergänger kommen jährlich zurück. Vielleicht ja demnächst als Neuverfilmung von Knight Rider oder MacGyver.

Daniel Cammann kann sich noch an die 80er Jahre erinnern, geht gern ins Kino und mag es, wenn ein Plan funktioniert.


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