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	<title>Infrarot</title>
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	<description>Zeitung der Jusos Berlin</description>
	<pubDate>Tue, 12 Apr 2011 08:53:29 +0000</pubDate>
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	<language>de</language>
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		<title>Editorial</title>
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		<pubDate>Thu, 31 Mar 2011 22:59:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Ausgabe 01 | 2011]]></category>

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		<description><![CDATA[Stadt, das ist &#252;berall um uns herum: U- und S-Bahn, Altbau und Platte, Tausende Menschen und noch mehr Touristinnen und Touristen, Clubs und Kneipen ohne Ende: Das sind vielleicht die Bilder, an die wir bei „Stadt“ denken.Stadt ist aber noch viel mehr: Armut und Reichtum nebeneinander, Hoffnung und Verzweiflung T&#252;r an T&#252;r. Stadt – das [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Stadt, das ist &#252;berall um uns herum: U- und S-Bahn, Altbau und Platte, Tausende Menschen und noch mehr Touristinnen und Touristen, Clubs und Kneipen ohne Ende: Das sind vielleicht die Bilder, an die wir bei „Stadt“ denken.Stadt ist aber noch viel mehr: Armut und Reichtum nebeneinander, Hoffnung und Verzweiflung T&#252;r an T&#252;r. Stadt – das sind auch Menschen, die ihre Miete nicht mehr bezahlen k&#246;nnen, die Arbeit suchen, die vielleicht ohne Papiere und in st&#228;ndiger Angst vor Entdeckung leben. Nehmen wir immer hinreichend wahr, was in unserer Stadt um uns herum gerade passiert? Interessiert es uns, wer unter welchen Bedingungen lebt?</p>
<p>Was um uns herum, in unserer Stadt passiert, k&#246;nnen wir ver&#228;ndern! Die Berliner Jusos haben sich in den letzten Monaten damit besch&#228;ftigt, wie das Berlin von morgen aussehen soll.Wir wollen, dass alle Menschen – egal wo sie wohnen, was sie tun oder wo sie herkommen – in Berlin die gleichen M&#246;glichkeiten und Chancen haben. Wir wollen, dass alle Menschen ihre Stadt mitgestalten k&#246;nnen. Denn auch wenn wir wissen, dass Berlin vielleicht die geilste Stadt der Welt ist, kommt es darauf an, was wir mit dieser Stadt in Zukunft machen.Diese Ausgabe der Infrarot besch&#228;ftigt sich mit einigen dieser Fragen.  Wenn Du mehr wissen willst, wenn Du Lust hast, uns auch Deine Ideen f&#252;r das Berlin von morgen zu erz&#228;hlen oder einfach nur mit uns diskutieren willst, dann melde Dich! Geh zu den Jusos, bring Dich ein, gestalte Deinen Kiez und Deine Stadt mit!</p>
<p>In dem Sinne sozialistische Gr&#252;&#223;e</p>
<p>Christian Berg<br />
Landesvorsitzender der Jusos Berlin</p>
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		<title>Die immer gut gelaunte Stadt</title>
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		<pubDate>Thu, 31 Mar 2011 22:58:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Ausgabe 01 | 2011]]></category>

		<category><![CDATA[Schwerpunktthema]]></category>

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		<description><![CDATA[Auf den Stra&#223;en von Berlin flie&#223;en Milch und Honig. Das k&#246;nnte man zumindest denken, wenn man betrachtet, wie viele StudentInnen und PraktikantInnen es jedes Jahr in die Stadt zieht. Letztes Jahr verzeichnete die Freien Universit&#228;t 30.000 BewerberInnen auf 4018 Studienpl&#228;tze. Berlin ist zum Anziehungspunkt geworden.. Worin besteht der Mythos Berlin? Warum hei&#223;t es, BerlinerIn zu [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Auf den Stra&#223;en von Berlin flie&#223;en Milch und Honig. Das k&#246;nnte man zumindest denken, wenn man betrachtet, wie viele StudentInnen und PraktikantInnen es jedes Jahr in die Stadt zieht. Letztes Jahr verzeichnete die Freien Universit&#228;t 30.000 BewerberInnen auf 4018 Studienpl&#228;tze. Berlin ist zum Anziehungspunkt geworden.. Worin besteht der Mythos Berlin? Warum hei&#223;t es, BerlinerIn zu sein, ist eine Lebenseinstellung?</p>
<p><strong>„Berlin war schon in den 1920ern eine arme, aber gut gelaunte Stadt.“</strong></p>
<p>Die Stadt ist so gro&#223;, dass es schwer f&#228;llt, alles in einen Topf zu packen. Friedrichshain ist nicht Charlottenburg, Kreuzberg ist nicht Reinickendorf und auch wenn Wedding nach der Bezirksreform 2001 zu Mitte geh&#246;rt, ist es etwas anderes am Gesundbrunnen zu wohnen als am Rosenthaler Platz. Die Kiezstruktur, die sich dann zu einem gro&#223;en Ganzen zusammenf&#252;gt, ist eine von Berlins Besonderheiten. Einzelne Viertel haben oft ein starkes Zusammengeh&#246;rigkeitsgef&#252;hl und vermitteln nachbarschaftliche N&#228;he, ohne dass das Gef&#252;hl von d&#246;rflicher Enge entsteht. Die BerlinerInnen betiteln ihre Stadt als „international“ und „weltoffen“. Dies ist nicht nur sinnbildlich richtig, sondern l&#228;sst sich auch an Zahlen festmachen. Letztes Jahr waren Menschen aus 189 L&#228;ndern offiziell gemeldet. Die Stadt lebt jedoch nicht nur von ihrer Vielfalt, sondern auch von der Aufgeschossenheit gegen&#252;ber dieser Vielfalt. Obwohl auch Berlin mittlerweile eine Fashion Week hat, spielen &#228;u&#223;ere Kriterien wie Kleidung und Auftreten, eine untergeordnete Rolle. Auch Wohlstand wird im Vergleich zur&#252;ckhaltend zur Schau getragen. Berlin war schon in den 1920ern eine arme, aber gut gelaunte Stadt. Nach der Wende wurde sie die Stadt der Selbstverwirklichung, die K&#252;nstlerInnen und Freigeister anzog. Die Kunst-, Musik- und Theater-Szene wuchs und heute sind die M&#246;glichkeiten seine Freizeit zu verbringen unendlich. F&#252;r jedes Hobby und jeden ausgefallenen Geschmack h&#228;lt Berlin etwas bereit. Dabei ist f&#252;r viele nicht einmal unbedingt wichtig alle diese Freiheiten zu nutzen, sondern einfach zu wissen, dass sie existieren. „Das gr&#246;&#223;te Kapital Berlins ist kein reales, sondern ein symbolisches.“ sagt Stadtforscher Ralf Lindner.</p>
<p><strong>„Auch Berlin ist eine Stadt der Gegens&#228;tze.“</strong></p>
<p>F&#252;r viele StudentenInnen mag die Stadt ein einziges Schn&#228;ppchen sein, da die Preise insgesamt gerade im Vergleich zu St&#228;dten wie Hamburg oder M&#252;nchen eher g&#252;nstig sind. Auch Feiern ist, verglichen mit anderen europ&#228;ischen St&#228;dten, ziemlich g&#252;nstig – und im Feiern sind die BerlinerInnen gut. Nicht umsonst bieten die Cafès hier Fr&#252;hst&#252;ck bis 17 Uhr oder einfach rund um die Uhr an. Doch Berlin ist auch eine Stadt der Gegens&#228;tze. Die einen fr&#252;hst&#252;cken um 17 Uhr, die anderen haben um diese Uhrzeit schon 10 Stunden gearbeitet. Berlin mag g&#252;nstiger sein als andere St&#228;dte in Deutschland, aber trotzdem hat lang nicht jeder so ein weiches finanzielles Polster wie viele der zugezogenen StudentInnen. Viele Berliner befinden sich in misslichen Arbeitsverh&#228;ltnissen, vor allem auch junge Leute. Symbolkraft hin oder her. Nur etwa die H&#228;lfte der EinwohnerInnen ist erwerbst&#228;tig und kann von seinem Gehalt auch leben. Ist also f&#252;r manche das Essen unschlagbar g&#252;nstig, ist es f&#252;r andere gerade billig genug. Die Neuk&#246;llner Wohnung ist f&#252;r eine/n Studentin/en ein toller Fund, f&#252;r andere vielleicht der letzte Ausweg.<br />
Genau diese g&#252;nstigen Wohnungen ziehen viele junge Kreative nach Berlin. Einerseits wollen sie das urbane Flair erleben, anderseits bevorzugen sie hochwertig renovierte Altbauten. Damit steigen die Mieten in den ehemals g&#252;nstigen Vierteln und vertreiben die alteingesessenen BewohnerInnen. Dieser Prozess der Gentrifizierung ist in vielen Gro&#223;st&#228;dten zu beobachten und in Berlin sozusagen gerade live und in Farbe. Im Prenzlauer Berg wohnen nur noch 20% der urspr&#252;nglichen BewohnerInnen von vor 15 Jahren. Doch nicht nur die EinwohnerInnen werden getauscht, sondern damit auch die soziale Struktur. Damit erledigt sich der wichtigste Ausl&#246;ser des Gentrifizierungsprozesses: die Authentizit&#228;t. Das urspr&#252;ngliche Flair des Viertels existiert nicht mehr. Auch wenn die Leute genau deswegen dort hingezogen waren.<br />
Berlin bietet jungen Leuten (fast) alles, was man sich nur w&#252;nschen kann und wer hierher zieht, setzt ein Statement. Berlin bietet eine geballte Wucht an Kreativit&#228;t und Vielfalt. Daf&#252;r nehmen die BerlinerInnen auch die eisigen Winter und die vielen grauen Tage in Kauf. Ein eisiges soziales Klima sollte jedoch nicht in Kauf genommen werden.</p>
<p><em>Lisa M. Treiling ist stellvertretende Vorsitzende der Jusos Mitte.</em></p>
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		<title>Berlin ist eine weltoffene und soziale Metropole</title>
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		<pubDate>Thu, 31 Mar 2011 22:57:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Ausgabe 01 | 2011]]></category>

		<category><![CDATA[Schwerpunktthema]]></category>

		<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[Allein der Gr&#246;&#223;e nach ist Berlin sicherlich keine Metropole. Denn die gro&#223;en Metropolen der Welt haben weit mehr als zehn Millionen Einwohnerinnen und Einwohner – Berlin lediglich 3,4 Mio. Aber die Gr&#246;&#223;e ist auch in anderen Dingen selten entscheidend. Die Ausstrahlungskraft einer Stadt, die Zahl der Unternehmenssitze und die Wirtschaftskraft, die Bedeutung der Stadt f&#252;r [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Allein der Gr&#246;&#223;e nach ist Berlin sicherlich keine Metropole. Denn die gro&#223;en Metropolen der Welt haben weit mehr als zehn Millionen Einwohnerinnen und Einwohner – Berlin lediglich 3,4 Mio. Aber die Gr&#246;&#223;e ist auch in anderen Dingen selten entscheidend. Die Ausstrahlungskraft einer Stadt, die Zahl der Unternehmenssitze und die Wirtschaftskraft, die Bedeutung der Stadt f&#252;r die Region und das Land – dies sind weit wichtigere Faktoren, die eine Metropole ihr Gesicht geben.<br />
Und Berlin, das wird kaum einer bestreiten, ist in diesem Sinne die wirklich einzige deutsche Metropole. Berlin gilt weltweit als attraktive Stadt, die immer mehr Besucherinnen und Besucher und auch Bewohnerinnen und Bewohner in die Stadt zieht. Die Zahl der Arbeitspl&#228;tze und damit die Wirtschaftskraft der Stadt steigt gewaltig. So sind allein in den letzten f&#252;nf Jahren mehr als 100.000 neue Arbeitspl&#228;tze in Berlin entstanden. Dass der Suhrkamp-Verlag oder Universal Music nach Berlin kommen, das hat seinen Grund. Und nicht zuletzt als Hauptstadt hat Berlin eine wichtige Funktion in Deutschland und der Welt. Nachrichten aus Deutschland werden auf dem ganzen Globus „aus Berlin“ gesendet.<br />
Und geben wir es klammheimlich zu: Sind wir nicht selbst ein wenig stolz &#252;ber die gl&#252;henden Augen anderer, wenn wir auf Urlaubsreisen erz&#228;hlen, dass wir aus Berlin kommen? Attraktivit&#228;t entsteht nicht von alleine. Klaus Wowereit und die SPD haben der Stadt ein kreatives und menschliches Gesicht gegeben. Oder will noch jemand in Berlin unter Diepgens CDU leben? Wohl kaum. Doch Attraktivit&#228;t alleine reicht sicher nicht, um Berlin zu gestalten. Eine so gro&#223;e Stadt kennt auch die Kehrseiten jeder Metropole: Armut, Kriminalit&#228;t, soziale Unsicherheit, Bildungschancen nicht f&#252;r jede oder jeden, Korruption oder Umweltbelastung. Klar, die Situation hier in Berlin ist nicht vergleichbar mit Metropolen wir Rio de Janeiro, Jakarta oder London. Denn trotz aller Probleme, leben die Menschen hier friedlich zusammen, funktioniert der &#246;ffentliche Personennahverkehr trotz S-Bahn und sind Schule, Kitas und Krippen f&#252;r alle da.<br />
N&#246;tig f&#252;r die soziale Gestaltung der Metropole ist gute Stadtpolitik. Denn es ist ein Kraftakt, solche St&#228;dte wie Berlin sozial und politisch zusammenhalten. Das gilt nicht nur f&#252;r die Menschen, egal woher sie kommen. Sondern das gilt auch die die vielen Kieze, die alle lebenswert sein m&#252;ssen. Die SPD hat seit 2001 alles daran gesetzt, dass Ost und West zusammenwachsen. Heute reden wir wie selbstverst&#228;ndlich von Berlin, wenn wir &#252;ber die Stadt reden – nicht mehr &#252;ber West oder Ost. Was f&#252;r ein unglaublicher Erfolg, denn in Berlin ist wirklich zusammengewachsen, was zusammen geh&#246;rt. Jetzt geht es vor allem darum, die ganze Stadt lebenswert zu halten. Berlin braucht gute Bildung, schon in der Kita. Es ist gut, dass jetzt noch mehr getan wird, Krippen und Kitas auszubauen. Daf&#252;r stellt der Senat 1.800 zus&#228;tzliche Erzieherinnen und Erzieher ein.<br />
Mit der neuen Sekundarschule ist es jetzt endlich allen Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;lern m&#246;glich, auf ihrer Schule ein Abitur zu machen. In Berlin wird nicht mehr nach Einkommen und Herkunft selektiert. Daran m&#252;ssen die Politik, aber auch Eltern und Lehrkr&#228;fte weiter arbeiten. Chancengleichheit in der Bildung f&#246;rdern wir auch dort, wo das Einkommen nicht horrend ist. Denn mit der SPD ist klar: Mit uns gibt es keine Bildungsgeb&#252;hren, weder in der Kita noch in der Universit&#228;t.<br />
Hier gehen andere gro&#223;e St&#228;dte andere Wege: In Hamburg beispielsweise haben Schwarze und Gr&#252;ne die Kita-Geb&#252;hren erh&#246;ht und Studiengeb&#252;hren eingef&#252;hrt. In Berlin schlie&#223;t sich das aus, denn der Zusammenhalt der Stadt ist der SPD viel Wert.<br />
Und einen letzten Grund, warum Berlin eine menschliche Metropole ist, gibt es auch: Berlin ist weltoffen und tolerant. Hier gehen die Menschen auf die Stra&#223;e, wenn Nazis Intoleranz sch&#252;ren wollen. Hier achten die Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler auf eine Schule ohne Rassismus. Hier unterst&#252;tzt die SPD im Senat Landesprogramme gegen Rechts, damit Initiativen und Vereine ihre Antirassismus- und Integrations-Projekte durchf&#252;hren k&#246;nnen. Denn nur weltoffene Metropolen sind menschliche und erfolgreiche St&#228;dte. Daf&#252;r, dass das so bleibt, m&#252;ssen wir uns engagieren! Soziale Gerechtigkeit und sozialer Zusammenhalt bleibt das Ziel.</p>
<p><em>Bj&#246;rn B&#246;hning lebt in X-Berg und ist Mitglied im SPD-Parteivorstand.</em></p>
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		<title>Wer verdr&#228;ngt wen wohin warum? Zum Begriff der Gentrifizierung</title>
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		<pubDate>Thu, 31 Mar 2011 22:56:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Ausgabe 01 | 2011]]></category>

		<category><![CDATA[Schwerpunktthema]]></category>

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		<description><![CDATA[Ist Euch heute auf dem Weg von zu Hause zu Schule, Uni oder Arbeit irgendwas aufgefallen? Hat sich Eure Wohngegend in der letzten Zeit ver&#228;ndert? Ist es bei Euch heute besser als &#8220;fr&#252;her&#8221;? Oder ist eigentlich alles wie immer?
Wenn &#252;ber das Leben in Berlin geschrieben und gesprochen wird, dann f&#228;llt auch immer das Stichwort &#8220;Gentrifizierung&#8221;. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ist Euch heute auf dem Weg von zu Hause zu Schule, Uni oder Arbeit irgendwas aufgefallen? Hat sich Eure Wohngegend in der letzten Zeit ver&#228;ndert? Ist es bei Euch heute besser als &#8220;fr&#252;her&#8221;? Oder ist eigentlich alles wie immer?<br />
Wenn &#252;ber das Leben in Berlin geschrieben und gesprochen wird, dann f&#228;llt auch immer das Stichwort &#8220;Gentrifizierung&#8221;. Meistens wird es im Zusammenhang mit dem Bericht &#252;ber die &#8220;Verwandlung&#8221; eines Stadtviertels verwendet. Aber verwandeln sich Berlins Kieze st&#228;ndig? Nat&#252;rlich nicht. Gentrifizierung ist ein Ph&#228;nomen, dass l&#228;ngst nicht alle Gegenden in Berlin betrifft, sondern immer nur einzelne Kieze. Und die Ver&#228;nderungen passieren langsam, so dass sie oft gar nicht auffallen.<br />
Der Begriff Gentrifizierung stammt aus der Stadtforschung und beschreibt eine soziale Umstrukturierung in einem Stadtteil. Diese besteht darin, dass &#228;rmere Gegenden baulich (z.B. durch Sanierungen alter, herunter-gekommender H&#228;user) ver&#228;ndert und aufgewertet werden. H&#228;ufig ist ein bestimmtes Muster erkennbar. Bestimmte Gegenden werden aufgrund g&#252;nstiger Mieten, aber eines attraktiven Standorts beliebt. Und zwar bei Leuten, die (noch) wenig Geld haben, aber einen relativ hohen sozialen und kulturellen Status, also zum Beispiel K&#252;nstlerInnen und Studierende. Sie ziehen dann in diese Gegenden und schaffen dann Angebote, wie Kneipen, Clubs etc., die wiederum die den Kiez attraktiv und &#8220;hip&#8221; machen und weitere Leute anziehen. Mit den Jahren &#8220;etablieren&#8221; sich die vorher eher armen Menschen. Studierende steigen ins Berufsleben ein, K&#252;nstlerInnen werden kommerziell erfolgreich oder wechseln in andere Berufe. Dann sehen Immobilienfirmen ihre Chance und investieren in die Sanierung der bisher g&#252;nstigen, aber eben auch etwas heruntergekommenen H&#228;user. Dadurch steigen die Mieten. F&#252;r die nun etablierten Erwachsenen ist das kein Problem, weil sie in der Regel auch mehr Geld verdienen. Es werden sogar noch mehr junge Menschen mit gutem Einkommen angezogen. Andere Menschen k&#246;nnen sich dann die steigenden Mietpreise nicht mehr leisten. Wenn sie die steigenden Preise nicht mehr durch Einsparungen bei anderen Ausgaben (Freizeit, Urlaub, usw.) ausgleichen k&#246;nnen, m&#252;ssen sie wegziehen.<br />
Und genau das ist auch der &#8220;Haken&#8221; der Gentrifizierung. Eigentlich ist sie ja eine gute Sache. Was ist schlecht daran, wenn sich in einger Gegend tolle Kneipen etablieren und eine angenehme Wohngegend entsteht?  Im Grunde nichts. Das Problem liegt aber in der Verdr&#228;ngung von &#228;rmeren Menschen. Es kann nicht sein, dass man aus der Gegend, in der man seit vielen Jahren lebt, pl&#246;tzlich wegziehen muss, weil andere die Mietpreise in die H&#246;he treiben. Es ist unfair, wenn sch&#246;ne Wohngegenden in der Innenstadt nur f&#252;r Reiche reserviert sind und alle anderen an den Stadtrand ziehen m&#252;ssen. Welche (politischen) Instrumente gibt, die Aufwertung von Stadtteilen mit sozialer Gerechtigkeit zu verbinden? Die Jusos Berlin entwickeln antworten, diskutiert mit auf jusos-berlin.de!</p>
<p><em>Julian Zado ist Vorsitzender der Jusos Mitte, wohnt im Wedding und hofft dort auf Aufwertung ohne Verdr&#228;ngung.</em></p>
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		<title>Hippe Innenstadt?! &#220;ber das, was unsere Hauptstadt ausmacht</title>
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		<pubDate>Thu, 31 Mar 2011 22:55:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Ausgabe 01 | 2011]]></category>

		<category><![CDATA[Schwerpunktthema]]></category>

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		<description><![CDATA[Als mich vor ein paar Tagen mein mazedonischer Nachbar zum Kaffee einlud, sagte er mir, er wolle, dass sein Sohn so werde wie die Berliner: weltoffen, tolerant und an allem interessiert. Stimmt sein Bild? Sind die Berlinerinnen und Berliner so?
Wenn ich mich au&#223;erhalb der Hauptstadt als Berliner oute, errege ich zumindest Aufmerksamkeit. „Echt – Du [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Als mich vor ein paar Tagen mein mazedonischer Nachbar zum Kaffee einlud, sagte er mir, er wolle, dass sein Sohn so werde wie die Berliner: weltoffen, tolerant und an allem interessiert. Stimmt sein Bild? Sind die Berlinerinnen und Berliner so?<br />
Wenn ich mich au&#223;erhalb der Hauptstadt als Berliner oute, errege ich zumindest Aufmerksamkeit. „Echt – Du kommst aus Berlin? Da war ich auch schon mal.“ So sieht eine h&#228;ufige Reaktion aus. Der Ruf wahlweise als ­*Kulturmetropole, Moloch, Multikulti-Experiment oder politisches Pflaster eilt der Stadt voraus. Einig ist man sich &#252;ber die Stadt nie, aber viele wollen hin und bleiben – denn Berlin ist laut dem Kabarettisten Wolfgang Neu&#223; „ein fruchtbares Gel&#228;nde f&#252;r sumpfige Typen, seit 750 Jahren“.<br />
Wie also ist Berlin? F&#252;r Menschen, die hier wohnen, taugen die als „Goldelse“ bezeichnete Statue der Victoria am „Gro&#223;en Stern“, angebliche muslimische Parallelgesellschaften, die Berlinale oder die politische Schlipstr&#228;gerkaste nicht als alleinstehende Identifikationsmerkmale. Das ist etwas f&#252;r Touristen k&#246;nnte man meinen. Nat&#252;rlich geh&#246;rt das alles zur Stadt. Es macht einen Teil ihres Reizes aus und gibt dem „subkutanen“ Berlin wenigstens einen &#246;ffentlichen Rahmen. Was Berlin f&#252;r mich ausmacht, findet man aber eben nicht in Stadtf&#252;hrern, sondern im Stra&#223;enleben, unter der glitzernden Haut. Da wo man das bunte Sammelsurium aus Urberlinerinnen und Urberlinern und Zugereisten aus allen L&#228;ndern in ihrem Gro&#223;stadtalltag trifft.<br />
Ein Spaziergang durch mein Berlin k&#246;nnte mit einem Kaffee im „Primo“ am S&#252;dstern in Kreuzberg starten. Von dort w&#252;rde ich durch die K&#246;rtestra&#223;e schlendern: Vorbei am kleinen Bio-B&#228;cker f&#252;r Bildungsb&#252;rger_innen, dem Spielwarenladen, der traditionsreichen Buchhandlung und dem kleinen Off-Kino „Sputnik“, das ganz versteckt in einer obersten Hinterhofetage liegt und sich zurecht als „Berlins h&#246;chstes Kino“ r&#252;hmt.<br />
Fast ein bisschen d&#246;rflich f&#252;hlt es sich an, wenn man durch den Kiez bummelt. Der zahnlose Falafelverk&#228;ufer nennt jeden Kunden „Habibi“, bei Achim im „Valentins“ darf man seinen pers&#246;nlichen Bierseidel parken und mitunter muss man seinen Schritt um eine der vielen von Hunden abgelegten Tretminen lenken. Man kennt sich untereinander, gr&#252;&#223;t und bemerkt, wenn der Nachbar ein neues Fahrrad hat.<br />
Biegt man auf den Kottbusser Damm ab, wandelt sich die Ruhe schnell in hektisches Treiben. Die Gem&#252;seh&#228;ndler rufen gegen den Stra&#223;enl&#228;rm an, um mit den g&#252;nstigsten Preisen die Kunden in ihren Laden zu locken. Jeder H&#228;ndler versucht, mit Restposten oder 55-Cent-Angeboten die zahlungsschwache Kundschaft anzulocken. All dies findet nur einen Steinwurf von Luxusbiom&#228;rkten und Restaurants statt und zeigt, wie eng beieinander unterschiedliche (Lebens-)Welten in Berlin aufeinander prallen.<br />
Weiter geht es vorbei am „Il Casolare“, einer der besten Pizzerien der Stadt und &#252;ber die Admiralbr&#252;cke. Die taucht sogar schon in internationalen Reisef&#252;hrern auf: Im Sommer treffen sich hier junge Leute, sitzen bis zum Morgengrauen zusammen, schwatzen, lachen, machen Musik oder genie&#223;en einfach die Unbeschwertheit des Ortes. Dass sie damit eine Handvoll Anwohner_innen &#228;rgern, tr&#252;bt die gute Stimmung nicht – auch nicht dann, wenn der Streit zum &#246;rtlichen Politspektakel wird.<br />
Weiter geht’s am Ufer des Landwehrkanals entlang. Hier picknicken die neuerdings gef&#252;rchteten t&#252;rkischen Gem&#252;seh&#228;ndler-Familien eintr&#228;chtig neben d&#246;senden Student_innen und Tourist_innen freuen sich vom Ausflugsboot aus &#252;ber ein St&#252;ck Berliner Leben. Dass das so gar nicht zu Sarrazins Schlagworten der „Kopftuchm&#228;dchen“ passt, bemerkt niemand. Am Bl&#252;cherplatz lohnt auch f&#252;r Berliner_innen ein Abstecher in das Kaufhaus „Dom&#228;ne“. Von der Kantine im obersten Stock hat man einen herrlichen Blick &#252;ber die D&#228;cher der Stadt. Das Essen kann dort allerdings nicht mit der Aussicht mithalten.<br />
Dem Charme Berlins erliege ich bereits in meinem Stadtteil, an den Orten und Verr&#252;cktheiten, die ich erst f&#252;r mich entdecken musste: Meine „geheime“ Parkbank, die mir trotz Hauptstra&#223;e Stille und trotz Hochsommer Schatten spendet, gro&#223;e Wandmalereien, verzierte M&#252;lleimer, Hinterhofwerkst&#228;tten, das „Baerwaldbad“, das nach z&#228;hem Existenzringen heute nur von ehrenamtlichen Helfer_innen betrieben wird und all die vielen kleinen L&#228;den, Cafés, Kioske, Call-Shops, Initiativen und Kulturprojekte.<br />
So oder so: Man wurschtelt sich in Berlin irgendwie durch, protestiert hin und wieder gegen irgendetwas, genie&#223;t die vielf&#228;ltigen Gegens&#228;tze und lebt irgendwie ganz gut damit. Da finden sich echte Toleranz und Weltoffenheit gleich neben Engstirnigkeit und Bionade-Biedermeier. Vielleicht muss man ein wenig verr&#252;ckt sein, um sich wirklich auf Berlin einzulassen. Und wie Berlin wirklich ist, muss jeder selbst herausfinden.</p>
<p><em>Bj&#246;rn Eggert kandidiert in Kreuzberg f&#252;r das Abgeordnetenhaus von Berlin.</em></p>
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		<title>Miese Randbezirke?! Das Beispiel Spandauer Neustadt</title>
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		<pubDate>Thu, 31 Mar 2011 22:54:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Ausgabe 01 | 2011]]></category>

		<category><![CDATA[Schwerpunktthema]]></category>

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		<description><![CDATA[Viele Kieze in der Innenstadt werden attraktiver und die Mieten steigen. Die EinwohnerInnen, die sich das nicht leisten k&#246;nnen, werden verdr&#228;ngt und m&#252;ssen sich neue Kieze suchen, wo die Mieten f&#252;r sie noch bezahlbar sind. Dies ist meist der Stadtrand, wie zum Beispiel die Spandauer Neustadt. Durch den Zuzug sozialschw&#228;cherer Menschen haben alteingesessene MieterInnen Angst, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Viele Kieze in der Innenstadt werden attraktiver und die Mieten steigen. Die EinwohnerInnen, die sich das nicht leisten k&#246;nnen, werden verdr&#228;ngt und m&#252;ssen sich neue Kieze suchen, wo die Mieten f&#252;r sie noch bezahlbar sind. Dies ist meist der Stadtrand, wie zum Beispiel die Spandauer Neustadt. Durch den Zuzug sozialschw&#228;cherer Menschen haben alteingesessene MieterInnen Angst, dass ihr Kiez abgewertet werden k&#246;nnte und ziehen, wenn sie es sich leisten k&#246;nnen, weg.<br />
Dadurch beginnt meist eine Abw&#228;rtsspirale in diesen Gegenden. Da die Kaufkraft der EinwohnerInnen nicht mehr steigt, sondern sinkt, schlie&#223;en immer mehr kleine Einzelhandelsgesch&#228;fte und suchen sich Gegenden, wo Leute mit mehr Kaufkraft wohnen. Immer mehr Gesch&#228;fte schlie&#223;en und stehen leer. Die Kieze werden noch unattraktiver f&#252;r neue MieterInnen. So ziemlich die einzigsten Gewerbetreibenden, die sich in den Gegenden noch ansiedeln m&#246;chten, sind meist SpielhallenbesitzerInnen. Es wird immer weniger bzw. so gut wie gar nichts mehr in die Sanierung der Wohnungen investiert und die betroffenen Kieze werden weiter abgewertet. Oft geraten diese Gegenden in Verruf, dass dort angeblich besonders arme Menschen wohnen und die Kriminalit&#228;t besonders hoch ist. Was jedoch nicht immer der Fall ist, sondern eher Stammtischniveau.<br />
Das Wohngebiet der Spandauer Neustadt wird im Wesentlichen durch vier- bis f&#252;nfgeschossige Blockbebauung aus der Gr&#252;nderzeit gekennzeichnet. Trotz vergleichsweiser niedrigen Mieten ist der Wohnungs- sowie der Ladenleerstand hoch. Knapp 30 Prozent der BewohnerInnen bekommen Transferleistungen, wie Wohngeld oder Leistungen nach dem SGB II; umgangssprachlich Hartz IV. Die Arbeitslosen- und Schuldnerquote ist ebenfalls mit ca. 25 Prozent hoch.<br />
Besonders deutlich wird die soziale Problemlage bei Jugendlichen. Mehr als 40 Prozent aller Jugendlichen verlassen die Hauptschule in der Spandauer Neustadt ohne Abschluss oder nur mit Hauptschulabschluss. Auch sind die bestehenden Einrichtungen f&#252;r Kinder und Jugendliche r&#228;umlich viel zu klein. Dies gilt f&#252;r kommunale Einrichtungen genauso wie f&#252;r Einrichtungen freier Tr&#228;ger. Spiel- und Bolzpl&#228;tze sind ebenfalls gr&#246;&#223;tenteils Fehlanzeige.<br />
Der Politik sind hier jedoch nicht die H&#228;nde gebunden. Durch aktives Quartiersmanagement, wie zum Beispiel eine gezielte F&#246;rderung der Ansiedlung von Einzelh&#228;ndlerInnen, kann viel verbessert werden, damit die betroffenen Kieze attraktiv bleiben bzw. es wieder werden. Die Spandauer Neustadt ist, vor allem durch den Einsatz des &#246;rtlichen SPD-Mitglied im Abgeordnetenhaus, Raed Saleh, seit Anfang Juli 2009 im Berliner Quartiersmanagement und langsam zeichnen sich erste Erfolge ab. Es wurde eine sogenannte Bolzplatzliga ins Leben gerufen und einige, teils kaum noch bespielbare Bolzpl&#228;tze, wurden neu gemacht. Das lange leerstehende Sudhaus auf dem Gel&#228;nde der ehemaligen Schultheiss-Brauerei am Havelufer soll diesem Sommer zur Kulturbrauerei umfunktioniert werden, so dass Kunst und Kultur, gerade auch f&#252;r junge Leute, wieder mehr gef&#246;rdert werden.<br />
Auch k&#246;nnen freiwillige Projekte, wie zum Beispiel in Spandau „Stark ohne Gewalt“ dazu beitragen, dass gerade Jugendliche f&#252;r sich in diesen Gegenden Perspektiven sehen und sich aktiv in ihren Kiezen engagieren und so zur Attraktivit&#228;tssteigerung beitragen. Es ist abschlie&#223;end festzustellen, dass der Ruf solche Kieze oft schlechter ist, als sie es in Wirklichkeit sind.</p>
<p><em>Susanne Finsel ist stellvertretende Vorsitzende der Jusos Spandau</em></p>
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		<title>Du bist verr&#252;ckt, mein Kind, du musst nach Berlin!</title>
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		<pubDate>Thu, 31 Mar 2011 22:53:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Ausgabe 01 | 2011]]></category>

		<category><![CDATA[Schwerpunktthema]]></category>

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		<description><![CDATA[Das Berliner Nachtleben gibt international den Ton an. Im Gegensatz zu Hamburgs Zur&#252;ckhaltung, M&#252;nchens Schick oder Frankfurts Business-Gebaren zeichnet sich die heimliche Musikhauptstadt durch Toleranz und vor allem unbeugsamer Spontaneit&#228;t aus. Aus aller Welt zieht es junge Menschen in die Stadt – und das nicht wegen der Museen oder des Brandenburger Tores. Vielmehr sind es [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Das Berliner Nachtleben gibt international den Ton an. Im Gegensatz zu Hamburgs Zur&#252;ckhaltung, M&#252;nchens Schick oder Frankfurts Business-Gebaren zeichnet sich die heimliche Musikhauptstadt durch Toleranz und vor allem unbeugsamer Spontaneit&#228;t aus. Aus aller Welt zieht es junge Menschen in die Stadt – und das nicht wegen der Museen oder des Brandenburger Tores. Vielmehr sind es Clubs, wie der Tresor, in dem die Technoszene das Laufen lernte, oder das Berghain, die zu den prominentesten Vertretern ihrer Art zwischen Chicago und Tokio z&#228;hlen.<br />
Aber auch abseits dr&#246;hnender B&#228;sse und des industriellen Charmes der Clubgr&#246;&#223;en zeigen Kreative, was sie zu bieten haben. Schaut man nach Mitte, Friedrichshain oder Kreuzberg erlebt man die kulturelle Vielfalt der Stadt:<br />
Da w&#228;re das Kunsthaus Tacheles in der Oranienburger Stra&#223;e, welches in der sonst so abgekl&#228;rt wirkenden Mitte Berlins einen k&#252;nstlerischen Gegenpol zur &#252;blichen institutionalisierten Kultur darstellt. Es ist ein Forum f&#252;r experimentelle Musikprojekte und diverse Ateliers, in denen K&#252;nstler_innen in  Projekten und Ausstellungen einen entscheidenden Beitrag f&#252;r ein k&#252;nstlerisch freies Berlin leisten. Das Café Zapata, in einem der oberen Stockwerke, ist eine ideale Location, um sich bei guter Musik auf lange (Club-)N&#228;chte vorzubereiten.<br />
Weiter zum Kiez um den Boxhagener Platz oder ins Samariterviertel, wo, neben diversen Bars und Lounges, zahlreiche Clubs das Publikum erwarten. Freund_innen der elektronischen Musik finden hier zum Beispiel das Raumklang oder das Stereo 33. Wer nicht in verrauchten Technoclubs den Abend verbringen m&#246;chte, bekommt durch spannende subkulturelle Projekte, wie dem RAW-Tempel, in dem sich das Cassiopeia befindet, ein abwechslungsreiches Programm von Konzerten oder Partys geboten – von Punkrock &#252;ber HipHop bis zu Afroamerikanischer Musik.<br />
Zum Ausklang des Wochenendes bietet Kreuzberg ausgezeichnete Pl&#228;tze zum Entspannen, an denen man sich – vor allem im Sommer – die Sonne auf die ausgepowerte Haut scheinen lassen kann. Hier, im ehemaligen Niemandsland zwischen Ost und West, liegt der Club der Vision&#228;re, in dem bei angenehmer minimalistischer Musik und chilliger Atmosph&#228;re die F&#252;&#223;e in die Spree gehalten werden k&#246;nnen, w&#228;hrend der Sonntag langsam vorbeizieht.<br />
In letzter Zeit sieht sich die Clubszene jedoch zunehmend mit Klagen, aufgrund von L&#228;rmbel&#228;stigung, aus der konservativen (Neu-)Bev&#246;lkerung konfrontiert. Dies hat zur Folge, dass andere Standorte innerhalb der Stadt gesucht werden m&#252;ssen und alte, ehemals bel(i)ebte, Kieze zunehmend „ver&#246;den“. Doch das Nachtleben in Berlin ist immer voller Kreativit&#228;t bei der Suche nach neuen Orten oder dem Betreten unerforschten Terrains gewesen – jene Kreativit&#228;t, die j&#228;hrlich Tausende nach Berlin zieht. Wer sich also entscheidet sein Leben dauerhaft in Berlin zu verbringen, wird keine Angst haben m&#252;ssen, nicht die passenden Orte zu finden, an denen das gemeinsame Ausleben der eigenen Bed&#252;rfnisse im Mittelpunkt steht. Berlin ist zu bunt, um allein zu sein. Anders gesagt: „Solange du die anderen so sein l&#228;sst, wie sie sind, kannst du tun und lassen, was du willst!“.<br />
Letztendlich darf es aber nicht allein Aufgabe der Szene sein, das Berliner Nachtleben am Laufen zu halten und gegen die zunehmende Einengung sowie Verdr&#228;ngung aus Teilen der Innenstadt zu verteidigen. Kreativit&#228;t, wie sie in der Szene auf vielf&#228;ltige Weise ben&#246;tigt wird, braucht sch&#252;tzende Rahmenbedingungen, um sich frei von normativen Zw&#228;ngen entfalten zu k&#246;nnen. Die Politik, vor allem der Senat, ist hier gefordert sich aktiv mit der Clubszene auseinanderzusetzen und die Zusammenarbeit beispielsweise mit der Clubcommission zu intensivieren. Es m&#252;ssen gemeinsam L&#246;sungen gefunden werden, wie sowohl die Bev&#246;lkerung als auch die Clubs voneinander profitieren k&#246;nnen. Instrumente hierf&#252;r w&#228;ren zum Beispiel eine Art Bestandsschutz f&#252;r Clubs, sodass sie von Anwohner_innen nicht mehr so leicht „weggeklagt“ werden k&#246;nnen, aber auch eine Weiterentwicklung der aktuellen Bebauungspl&#228;ne, die es erm&#246;glichen sollten z.B. in Mitte auch abseits des Alexanderplatzes oder des Hackeschen Marktes Clubs zu er&#246;ffnen. Die Berliner Politik darf beim Kampf zwischen dem Nachtleben, f&#252;r das Berlin international ber&#252;hmt geworden ist, und dem (Neu-)B&#252;rgertum nicht tatenlos zusehen.</p>
<p><em>Mathias Schulz ist bei den Jusos Mitte aktiv. Nur f&#252;r sein Jura-Studium f&#228;hrt er auch mal nach Potsdam.</em></p>
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		<title>Welche Rolle spielt Kultur f&#252;r eine Metropole? Mal so ganz plakativ und undifferenziert beantwortet *</title>
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		<pubDate>Thu, 31 Mar 2011 22:52:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Ausgabe 01 | 2011]]></category>

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		<description><![CDATA[Eigentlich hat das doch jeder schon im Bauchgef&#252;hl: Eine Metropole ohne eine lebendige Kunst- und Kulturszene kann eigentlich kaum eine sein. Irgendwie geh&#246;rt das ja quasi definitorisch zum Gro&#223;stadtsein dazu, dass zum einen viele K&#252;nstler sich dort versammeln und zum anderen Metropole von dieser Konzentration des Kreativen lebt. Nach Berlin zieht jedenfalls keiner wegen der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Eigentlich hat das doch jeder schon im Bauchgef&#252;hl: Eine Metropole ohne eine lebendige Kunst- und Kulturszene kann eigentlich kaum eine sein. Irgendwie geh&#246;rt das ja quasi definitorisch zum Gro&#223;stadtsein dazu, dass zum einen viele K&#252;nstler sich dort versammeln und zum anderen Metropole von dieser Konzentration des Kreativen lebt. Nach Berlin zieht jedenfalls keiner wegen der guten S-Bahn-Anbindungen. Was Kultur sonst noch so f&#252;r Berlin als Metropole bedeutet, soll hier nur mal ganz kurz zusammengefasst werden.<br />
Kultur als Wirtschaftsfaktor<br />
Sch&#228;tzungsweise reden wir – inklusive Werbebranche  - &#252;ber bis zu 15% der Berliner Erwerbst&#228;tigen. Die Branche weist zwar vergleichsweise hohe Wachstumsraten auf, ist aber auch ma&#223;geblich von Selbstausbeutung gepr&#228;gt: Der gr&#246;&#223;te Teil der Menschen, die in dieser Branche arbeiten, schrammen entweder haarscharf am Existenzminimum vorbei oder liegen in viele F&#228;llen auch mal gut und gerne weit drunter.  Unbestritten ist Kultur einer der entscheidendsten Motoren f&#252;r den Gro&#223;stadttourismus. Die Bedeutung des Kulturtourismus f&#252;r Berlin ist in den vergangenen Jahren noch gewachsen: Zum einen zieht das speziell in Berlin sehr vielf&#228;ltige Kulturangebot auch vielf&#228;ltige Zielgruppen an. Man k&#246;nnte sagen, Berlin bietet f&#252;r jeden seine Nische. Zum anderen kann sich hier jeder einen Aufenthalt leisten, denn Berlin ist nicht nur sexy, sondern bekanntlicherweise auch - noch - bezahlbar.<br />
Kultur als sozialpolitisches Instrument<br />
Man darf jetzt nicht glauben, dies w&#228;re hier der obligatorische Rechtfertigungs- und Erl&#228;uterungsabschnitt f&#252;r traditionelle Sozialdemokraten, die ja dem Klischee nach unter Kultur das bierselige Anstimmen von Arbeiterliedern in der Eckkneipe verstehen sollen.  Aber jede „Prenzlberger &#214;komutti“ wei&#223; genau, warum sie ihren Nachwuchs auf eine musik- oder kunstbetonte Grundschule schickt.<br />
Kultur als Stadtentwicklungsinstrument<br />
Dieser Aspekt m&#252;sste eigentlich unter dem Motto stehen: Die Revolution frisst ihre Kinder. Eine bislang unattraktive Wohngegend wird von K&#252;nstlern entdeckt, die als erste Pioniere f&#252;r eine Aufwertung sorgen. Wenn dies eingetreten ist, folgen die Investoren, die Mieten steigen und im Endeffekt werden nach den alteingesessenen Mietern auch die K&#252;nstler wieder verdr&#228;ngt. Die Clubszene ist hier ein gutes Beispiel, siehe Knaack- oder ICON-Club in Prenzlauer Berg. Die Rolle der K&#252;nstler wird in diesem Zusammenhang immer wieder kritisch diskutiert, speziell die Frage ob eine Aufwertung durch sie zwangsl&#228;ufig in Verdr&#228;ngung enden muss; diese Frage wird durchaus unterschiedlich beantwortet.<br />
Und, was nun? Ein Vertreter aus der Clubszene stellte k&#252;rzlich auf einer Diskussionsveranstaltung in den Raum, dass ja die Berliner Philharmoniker auch mal mit sieben Leuten angefangen h&#228;tten. Aber hei&#223;t das jetzt, dass allgemein Etablierung angesagt ist? Dies w&#252;rde sich sicher auf den Kulturtourismus auswirken, etablierte Angebote ziehen auch schlie&#223;lich etablierte Zielgruppen an. Noch ist Berlin die Metropole der kulturellen Nischen. Die R&#228;ume f&#252;r diese Nischen werden aber im innerst&#228;dtischen Gebiet immer kleiner und immer mehr stehen kulturelle Einrichtungen zwischen Etablierungs- bzw. Verwertungsdruck und k&#252;nstlerischem Anspruch. Es bleibt aber die Frage, ob sich die (Nischen-)Kultur in Berlin neue R&#228;ume erobern kann.<br />
<em>Clara West war mal stellvertretende Juso-Landesvorsitzende und ist derzeit Kulturausschussvorsitzende in der Bezirksverordnetenversammlung Pankow.</em></p>
<p>(*)Den Eigenwert von Kultur und seine Bedeutung f&#252;r gesellschaftlicher (Wandlungs-)prozesse m&#246;chte ich heute mal au&#223;en vor lassen, dies hat Sarah Niebergall  in ihrem Artikel „Leistung in der Kunst“ in der letzten Ausgabe bereits erl&#228;utert.</p>
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		<title>Lebensgef&#252;hl Berlin hei&#223;t auch gute Arbeit f&#252;r alle</title>
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		<pubDate>Thu, 31 Mar 2011 22:51:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Ausgabe 01 | 2011]]></category>

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		<description><![CDATA[Berlin ist bekannt f&#252;r eine vielf&#228;ltige Kunstszene, eine attraktive Kulturlandschaft, als Hauptstadt und als Metropole, als lebendige, lebenswerte und vielf&#228;ltige Stadt. Aber eben nicht nur als „sexy“ sondern auch als „arm“,  mit Haushaltsl&#246;chern und sozialen Schieflagen. Eine wichtige Seite kommt nicht nur in der Au&#223;endarstellung oft zu kurz: die Arbeitswelt. Denn soziale Schieflagen fu&#223;en nicht [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Berlin ist bekannt f&#252;r eine vielf&#228;ltige Kunstszene, eine attraktive Kulturlandschaft, als Hauptstadt und als Metropole, als lebendige, lebenswerte und vielf&#228;ltige Stadt. Aber eben nicht nur als „sexy“ sondern auch als „arm“,  mit Haushaltsl&#246;chern und sozialen Schieflagen. Eine wichtige Seite kommt nicht nur in der Au&#223;endarstellung oft zu kurz: die Arbeitswelt. Denn soziale Schieflagen fu&#223;en nicht zuletzt auf gravierenden Problemlagen auf dem Arbeitsmarkt, die es gilt mutig zu beseitigen.<br />
Bei der Analyse des Berliner Arbeitsmarktes f&#228;llt zun&#228;chst eins auf: Der Berliner Bev&#246;lkerung stehen strukturell wesentlich zu wenige Arbeitspl&#228;tze zur Verf&#252;gung. Mit 13,6 Prozent im Jahresdurchschnitt 2010 hat Berlin die zweith&#246;chste Arbeitslosenquote aller Bundesl&#228;nder, schlechter schneidet nur Mecklenburg-Vorpommern ab (Bundesagentur f&#252;r Arbeit). Die Folgen sind verheerend: In kaum einer anderen Stadt ist das Armutsrisiko h&#246;her als in Berlin. Besonders frappierend ist die Situation auch in der beruflichen Bildung, im Jahr 2009 kamen auf etwa 11.000 angebotene Ausbildungsstellen rund 18.000 BewerberInnen. Ein Blick in die Jahresreihen offenbart ein strukturelles Problem, die Arbeitslosenquote schwankt zwischen 13 und 15 Prozent, Entspannung auf dem Ausbildungsmarkt ist allein durch die demografisch bedingte Verringerung der BewerberInnenzahlen zu diagnostizieren.<br />
Arbeit findet in Berlin vor allem im Dienstleistungssektor statt, der rund 82 Prozent des Bruttoinlandprodukts erwirtschaftet und etwa 84 Prozent der ArbeitnehmerInnen besch&#228;ftigt, ein verglichen mit anderen deutschen Gro&#223;st&#228;dten extrem hoher Anteil (Landesamt f&#252;r Statistik Berlin Brandenburg). Im produzierenden Gewerbe erfolgt lediglich etwas unter 18 Prozent der Bruttowertsch&#246;pfung und 16 Prozent der Besch&#228;ftigung. Historisch gewachsen durch die einzigartige Situation Westberlins w&#228;hrend der deutschen Teilung und zudem bedingt durch die neue Rolle als Bundeshauptstadt ist der Anteil der &#246;ffentlichen Besch&#228;ftigung besonders hoch, rund 40 Prozent der BerlinerInnen arbeiten im &#246;ffentlichen Dienst.<br />
Die Dominanz des Dienstleistungssektors hat dabei auch gravierende Folgen f&#252;r die Bedingungen, unter denen Arbeit in Berlin stattfindet. Denn gerade im Handel und im Gastronomiegewerbe ist der gewerkschaftliche Organisationsgrad h&#228;ufig so gering, dass gute Arbeitsbedingungen und angemessene L&#246;hne schwer durchsetzbar sind.<br />
Erwerbsarbeit spielt im Leben der Menschen eine enorm wichtige Rolle, schafft sie doch Existenzgrundlagen, ist der beste Schutz vor Armut und erf&#252;llt nicht zuletzt die Funktion der Schaffung von Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Gute Arbeitspl&#228;tze zu schaffen, Arbeitsbedingungen wirksam zu verbessern und Arbeitslosigkeit abzubauen sind deshalb enorm wichtige Ziele auf dem Weg zu einer solidarischen, attraktiven Stadt, die allen Menschen Teilhabe am Zusammenleben erm&#246;glicht. Arbeit und solidarisches Wirtschaften m&#252;ssen wieder zu einem Markenzeichen Berlins werden.</p>
<p><em>Helene Sommer ist stellvertretende Landesvorsitzende der Jusos Berlin</em></p>
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		<title>Gesundheitsvorsorge f&#252;r alle statt Klassenmedizin - F&#252;r eine solidarische Gesundheitsreform</title>
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		<pubDate>Thu, 31 Mar 2011 22:51:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Ausgabe 01 | 2011]]></category>

		<category><![CDATA[Zur Lage]]></category>

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		<description><![CDATA[Kopfpauschale, Zusatzbeitr&#228;ge, Praxisgeb&#252;hr? Kaum ein anderes Politikfeld erregt die Gem&#252;ter mehr als die Gesundheitspolitik. Eine Reform jagt die n&#228;chste und allenthalben wird mit Kampfbegriffen und mehr oder weniger inhaltsleeren Floskeln um sich geworfen.  Jede Reform erregt Gegenwehr und st&#228;ndig neue Dimensionen und Diskussionsstr&#228;nge vernebeln die Debatte. Was am Ende bleibt ist der Eindruck, dass eine [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Kopfpauschale, Zusatzbeitr&#228;ge, Praxisgeb&#252;hr? Kaum ein anderes Politikfeld erregt die Gem&#252;ter mehr als die Gesundheitspolitik. Eine Reform jagt die n&#228;chste und allenthalben wird mit Kampfbegriffen und mehr oder weniger inhaltsleeren Floskeln um sich geworfen.  Jede Reform erregt Gegenwehr und st&#228;ndig neue Dimensionen und Diskussionsstr&#228;nge vernebeln die Debatte. Was am Ende bleibt ist der Eindruck, dass eine solidarische Gesundheitsversorgung wohl nicht mehr m&#246;glich ist. Doch worum geht es eigentlich?<br />
Es gibt zwar viele Streitpunkte und Handlungsbedarf in unterschiedlichsten Teilfragen. Aber im Kern stehen sich zwei Modelle und letztlich zwei Grundphilosophien gegen&#252;ber. Das deutsche Gesundheitssystem baut auf der Grundarchitektur einer Pflichtversicherung auf. JedeR abh&#228;ngig Besch&#228;ftigte ist zun&#228;chst verpflichtend in einer gesetzlichen Krankenversicherung versichert. Die Beitr&#228;ge bemessen sich anteilig zum Lohn und werden – in der Grundarchitektur - parit&#228;tisch, sprich zu gleichen Teilen von ArbeitnehmerInnen und deren ArbeitgeberInnen geleistet. Soweit so gut. Allerdings schlie&#223;t dieses System zun&#228;chst gro&#223;e, meist besser betuchte Bev&#246;lkerungsteile per se aus, beispielsweise Selbstst&#228;ndige, BeamtInnen oder Berufsst&#228;ndlerInnen (Rechtsanw&#228;ltInnen, usw.). Daneben existiert ein System der Privatversicherungen, das neben allen nicht abh&#228;ngig Besch&#228;ftigten auch vor allem denjenigen offen steht, deren Einkommen &#252;ber der so genannten Beitragsbemessungsgrenze liegt,  die also verh&#228;ltnism&#228;&#223;ig gut verdienen.<br />
Dass das deutsche Gesundheitssystem reformbed&#252;rftig ist, dar&#252;ber besteht weitestgehend Einigkeit. Umstritten ist die Richtung. Eine Reformoption ist das Modell der Kopfpauschale, das vorsieht, dass jedeR Versicherte, v&#246;llig unabh&#228;ngig von Einkommen und Lebenssituation, einen pauschalen Beitragsatz f&#252;r die Versicherung bezahlen muss. Dies w&#252;rde nicht nur eine grundlegende Abkehr der parit&#228;tischen Finanzierung bedeuten, sondern auch das Solidarsystem aufk&#252;ndigen. Denn das deutsche Krankenversicherungssystem basiert auch darauf, dass Besch&#228;ftigte entsprechend ihres Lohns unterschiedlich viel in die Krankenkasse einbezahlen und so st&#228;rkere Schultern mehr tragen als schw&#228;chere.<br />
F&#252;r uns Jusos ist klar: Die Kopfpauschale ist vor allem eins – pauschal unsozial. Und die Pl&#228;ne der Schwarz-Gelben-Koalition sind nichts anderes als ein Einstieg in dieses System, durch die Erhebung von Zusatzbeitr&#228;gen und die Einfrierung des ArbeitgeberInnenanteils. Unsere Alternative hei&#223;t solidarische B&#252;rgerInnenversicherung. Wir wollen erreichen, dass in Zukunft alle Menschen in die gesetzliche Krankenversicherung einbezogen werden, eben auch Besserverdienende und Selbstst&#228;ndige. Zudem wollen wir auch alle anderen Einkommensarten, wie etwa Kapitalertr&#228;ge, in die Finanzierung mit einbeziehen. Durch eine solche Reform k&#246;nnten Finanzierungs- und Absicherungsl&#252;cken wirksam geschlossen werden. Zudem w&#228;re dies ein deutliches Bekenntnis zum Solidarsystem in der Gesundheitsversorgung. Wir wollen, dass das Risiko krank zu werden von der Gesellschaft als Ganzes aufgefangen wird – und sich alle B&#252;rgerInnen entsprechend ihrer Leistungsf&#228;higkeit an der Finanzierung beteiligen.</p>
<p><em>Hannah Meyer ist Sprecherin der Jusos Steglitz-Zehlendorf und Leiterin der Arbeitskreises Wirtschaft, Arbeit und Soziales der Jusos Berlin.</em></p>
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